Von der Vermählung des hochherrschaftlichen Brautpaares
Dorothea v. Schwanensee mit dem Ritter Timo v. Adlerstein


Es begab sich zu der Zeit des zweiundzwanzigsten Tages des Iarmanot, einem Tage des Herrn, als uns die Kunde eines unerwarteten Besuchers erreichte. Unerwartet deshalb, da man in den Unbilden dieser Zeit, gleich zu Beginn eines neuen Jahres eher keine Reisen unternimmt. Doch hier kamen freundliche Herrschaften die uns neue Kunde unterbreiten wollten und so ließen wir sie ein.
Ritter Timo vom Adlerstein nebst seiner langjährigen Herzensdame der edlen Dorothea vom Schwanensee, übergaben uns das Pergament einer Einladung, welche mich und meine geliebte Gattin, zu Ihrer Vermählung einlud. Voller Freude über dieses Ereignis sagten wir ohne Umschweife zu. Am fünfzehnten Tage des Hormanot sollte es sein, dass die Beiden sich das Jawort geben würden. Welch ein Ereignis!
Zu gegebener Zeit packten wir den vierrädrigen Wagen mit über 100 Rossen davor, um auch ja nicht zu Unzeiten auf der Feste zu Waischenfeld anzukommen. Als wir dort eintrafen, flatterten bereits vielerlei Banner im Wind über den Burgmauern und wir wussten, dass auch noch andere Freunde und Weggefährten bei den Feierlichkeiten zugegen sein würden. Da der innere Burghof nicht ausreichend Platz für eine angemessene Lagerstatt unsererseits bot, bezogen wir in einer großen Herberge in der nahen Stadt unser Quartier.
Zur späten Stunde am Tage unseres Eintreffens hoben Blitz und Donner zu einem kräftigen Getöse an und das creszendoartige Klopfen auf dem Dach der Herberge, ließ für den folgenden Tag eigentlich nichts Gutes hoffen. Noch am nächsten Morgen zogen dicke Wolken über den Himmel der Burg Waischenfeld und man befürchtete schon ein schlechtes Omen für die Feierlichkeiten an diesem Tag. Doch Petrus hatte ein Einsehen und bescherte uns einen wundervoll ausgeglichenen Tag ohne weiteren Regen und mit angenehmen Temperaturen.
Als die dreizehnte Stunde des Tages angebrochen war, ordnete der Marschall des Festes, Christian, Herr zu Wolfsberg, die Reihen der edlen Damen und Herren ein, sich in gebührlichem Abstand zur Rechten und zur Linken des Burgtores aufzustellen und der hochherrschaftlichen Braut auf ihrem weißen Rosse beim Einritt zu huldigen und willkommen zu heißen. Das Tor öffnete sich und eine Abordnung der Leibgarde des Ritters Timo vom Adlerstein, die weithin gefürchteten Schwarzen Wölfe, traten in den Vordergrund. Sie waren schwer bewaffnet und bereit jedweden Pöbel auf Dauer zu verscheuchen, doch nichts dergleichen mussten sie an diesem Tage tun.
Hufgeklapper kündigte von der Ankunft der Braut und das Publikum hatte Jubel und Hochrufe auf den Lippen als das weiße Ross mit seiner Reiterin in Sicht kam. Elfengleich und von makelloser Schönheit saß die Braut mit ihrem langen schwarzen Haar und dem alabasterfarbenen Kleid aus bester Seide voller Eleganz auf dem prächtigen Ross, welches von einem Diener am Zügel herein geführt wurde.
Vom Tor aus, zogen die Braut und die Festgäste zur Mitte des Burghofes hin, wo für das hohe Zeremoniell bereits alles vorbereitet war. Die Gäste nahmen hinter dem Brautpaar auf Bänken Platz, während die Beiden auf weißen Stühlen vor dem Altar Platz nahmen. Da das Zeremoniell nicht von der Kirche durchgeführt werden konnte, tat dies in Vertretung der Marschall des Festes. Man gelobte sich wie seit Anbeginn der Zeit, ewige Liebe und Treue und besiegelte die Zeremonie mit dem altbekannten Brauttrunk. Dazu mussten Braut und Bräutigam aus einem Hochzeitsbecher trinken der aus feinstem venezianischem Glas und erhabener Silberarbeit bestand. Eigentlich waren es zwei Gläser. Ein etwas größeres aus dem der Bräutigam zu trinken hatte, und ein kleines, schwenkbares, aus dem die Angetraute trinken musste. Und das zur gleichen Zeit und ohne einen Tropfen zu verschütten. Aus meiner Sichtposition schien das Unterfange gelungen und man lud nun die Gäste zu einem kleinen Umtrunk vor der Festhalle ein. Met von feinster Qualität und Quellwasser für diejenigen denen solch honigsüßes Gebräu zu sehr in den Kopf stieg.
Alsdann ein dreifach Hoch auf das Brautpaar angehoben war, bat man die Gäste für einen süßen Schmaus und ein bittersüßes Hallowachgetränk in die Festhalle. Doch nicht so schnell, denn zunächst wollte ein Jeder mit einem Präsent dem Brautpaar seine Hochachtung zum Ausdruck bringen. Und so trug ein jeder, ob groß ob Klein, seine Gaben mit heran, auf dass den frisch gebackenen Eheleuten schon bald die Last der Reichtümer zu schwer wurden und man um zügige Abnahme der selben bat. Die Fülle der Präsente schien unermesslich so schien es mir. Welch ein Glück und ein Segen an diesem Tage!
Doch nun war es an der Zeit für die süßen Leckereien, welche die Küche der Burg hervor zauberten. Die Hochzeitstorte, weiß und hoch, gefüllt mit einer feinen fruchtigen Creme aus wilden Beeren, kleine Küchlin mit der duftenden Frische mediteraner Früchte und frisch ausgebackene Krapfen labten unsere Mägen, dazu das bittersüße Heißgetränk aus den arabischen Landen, das den Gästen gar fein mundete.
Da die Mägen nun gefüllt und die erste Müdigkeit darüber Einzug in die Leiber hielt, war es an der Zeit, dass die Spielleute zum Tanze aufriefen bevor noch so manch einer gesenkten Hauptes oder gar noch schnarchend mit dem Kopf auf der Tafel aufschlug. Heisa, hopsa, tanzte man den Reigen mal zur Rechten dann zur Linken und so fort. Doch auch der höfische Tanz fand seine Zeit und man führte seinen Partner mal mit der Rechten mal mit der Linken, verbeugte sich und wechselte und so fort. Heureka, war das eine Schau und als die Tänze beendet waren, öffnete der Wirt ein neues Fass vom dunklen Bier welches er gestiftet hatte.
Danach zerstreuten sich die Gäste ein wenig und Gespräche wurde allenthalben geführt. Man traf erneut auf alte Bekannte und tauschte die letzten Neuigkeiten untereinander aus. Sodann verging die Zeit wie im Fluge und man bat die Gäste erneut Platz zu nehmen, denn nun stand das Festmahl an. Doch halt, was tat sich nun? Zimbeln und Kastagnetten erklangen, sowie der schnelle Schlag von kleinen Trommeln und einer Rohrblattflöte. Sie zauberten die Klänge des Orients in unseren Festsaal, und um nicht nur zu Gehör zu kommen, betraten nun vier Maiden das Parkett und wiegten ihre Hüften nach orientalischem Vorbild zu den Klängen der Musik. Doch der Zauber, der mich einst im Orient dabei erfasst hatte, wollte hier nicht wieder erstarken. Aber was macht das schon... das Festmahl stand nun endlich an und die Gäste hatten bereits mächtig Hunger.
Dargeboten waren große (Trut)Hühner, gegrillt am Spies, dazu gab es frisch gestampfte Butter mit den feinsten Kräutern und eine Soße dunkel und mit kräftigem Wein angerührt. Rosmarinpotaten und Knödel aus Semmeln, Milch und Gewürzen. Exotisches Gemüse wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte, gemischt mit zerstampften Potaten und im Ofen aufgebacken. Grüne Salate und eine Tunke aus angedickter Milch mit Knoblauch und fein geschnittenen Gurken darin. Salat vom weißen Kraut, mit Weinessig mariniert, sowie diverse andere Speisen die ich hier nicht zu benennen weiß. Zum Abschluss gab es noch eine Creme von weißen Mandelin fein mit einem Hauch von Vanilla und aufgekochten Pfläumchen. Bald hoben sich die vollen Bäuche, so wurde hier geschlemmt, und manch einer wusste im Anschluss nicht mehr wie er sich bewegen sollte.
Mit schönen Liedern und fröhlicher Musik untermalt, genoss man Speis und Trank und erfreute sich seines Lebens. Die beiden Spielleute, Bernd von Ammenberg und seine Spießgeselle "Ulrich, der Starke" förderten alles zu Tage was ihre Spielmannskunst her gab und so war dies ein gelungenes Fest für alle, aber im Besonderen für das frisch vermählte Paar geworden. Doch sollte dies noch nicht das Ende sein, denn man rief die Gäste aus dem Saal und forderte sie auf eine der vielen Laternen in die Hand zu nehmen. Im Schein der brennenden Kerzen, schickte man sich an die Feste zu verlassen. Ein nächtlicher Spaziergang um das altehrwürdige Gemäuer, erklärte uns der Marschall des Festes und schritt voran, die Burg zu verlassen. In einer langen Schlange zog sich der Laternenzug vom Hof bis hinaus in die unendlichen Weiten die noch kein Mensch zuvor gesehen hatte, zumindest bei Nacht, nur um nach ein paar Metern abzubiegen und durch ein weiteres Tor die Burg wieder zu betreten. Doch nicht der Festsaal war unser Ziel, nein, man führte uns zu der Übungsstätte auf der die Ritter und Knappen Ihre Fertigkeiten erlernten. Dort angekommen, stellte man sich in einem Halbkreis auf und erwartete das Unerwartete. Eine kleine Flamme loderte auf und erhellte das Gesicht einer in dunkle Gewänder gekleideten Person. Diese warf den Kopf in den Nacken und führte die kleine Flamme zum Mund, nur um aus ihr einen gewaltigen Feuerball in den Nachthimmel zu schicken. Und so begann eine kleine aber feine Feuershow, welche nun das Ende der Festlichkeiten langsam erleuchtete.
Schon bald danach verabschiedete sich meine Gemahlin und ich von den Freunden und Bekannten und wir traten unseren nächtlichen Weg zurück zu unserer Herberge an.

Wir bedanken uns von ganzem Herzen für diese Einladung
und verbleiben hiermit,
Alexander v. Blaudrachenstein
nebst seiner geliebten Gemahlin
Christiana v. Reiherbach